Aufwachen aus dem Albtraum?

[CN, TW: Übergriffigkeit]

Ich wache nachts auf. Manchmal schreiend und schweißgebadet, immer voller Angst. Ich habe schlecht geträumt. Mal wieder. Im Grunde ist es so ziemlich jedes Mal derselbe Albtraum. Von einer Person, mit der ich einst eine Beziehung führte. Der Ex-Freund, dem ich vertraute.
Er löst Angst in mir aus. Menschen, die ihm ähnlich sehen, triggern mich. Die Gegend, in der wir mal zusammen wohnten und in der er immer noch lebt, meide ich, aus Angst ihm vielleicht zu begegnen. Und wenn ich doch mal dort bin, ist immer ein mulmiges Gefühl mit dabei.

Ich träume davon, von ihm eingesperrt und gefangen gehalten zu werden.

Wir zogen im Oktober 2011 zusammen. Anfangs war alles super, endlich keine Fernbeziehung mehr. Doch im Laufe der Zeit entwickelte es sich in eine Richtung, die alles andere als optimal war. Emotionale Erpressung. Das Gefühl vermittelt zu bekommen, nichts wert zu sein,  weil ich mich »nicht genug anstrengen« würde, was die Verbesserung meiner depressionsbedingten Probleme anging.

Es geschah am 16. November 2012. Krisenzeit. Vorangegangenes lief unschön, tut aber hier nichts weiter zur Sache.

Ich bat ihn, mich allein zu lassen um in Ruhe nachdenken zu können, wie es mit uns weitergehen kann. Ob ich ihm noch genug vertraue, eine Zukunft sehe. Er verließ die Wohnung. Nach ein paar Stunden kam er wieder, es gab Streit. Inzwischen ist vieles verschwommen, doch die erlebten Gefühle sind noch sehr deutlich. Er wollte kuscheln. Und vielleicht auch Sex. Ich sagte, ich möchte das jetzt nicht, weil ich weiter nachdenken wolle. Wollte weiter meine Ruhe haben. Es gab genug Orte in der Wohnung in der er sich hätte aufhalten können. Keine Reaktion. Ich wiederholte meine Worte. Mehrfach. Ich war nervlich am Ende. Dann fiel ein Satz von ihm, den ich nie vergessen werde:

»Du bist meine Freundin, ich hab‘ ein Recht darauf, dich zu kuscheln.«

Er bedrängte mich weiter. Ich weinte. Bettelte irgendwann, dass er mich in Ruhe lassen und gehen soll. Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich mich so hilflos gefühlt. Dreckig. Das starke Bedürfnis zu duschen. Alles zu vergessen, was in diesem Moment passierte. Nicht ernst genommen. Wertlos. Pure Ignoranz meiner verzweifelten Worte.

Er trennte sich einen Tag später. Meinte, er hätte mir damit einen Gefallen getan, weil ich ja zu schwach sei, es von mir selbst aus zu tun.Ich wohnte mit ihm noch anderthalb Monate zusammen bis ich endlich ausziehen konnte. Auch in dieser Zeit terrorisierte er mich psychisch. Ich traute mich kaum nach Hause oder aus meinem Zimmer. Ich blieb, obwohl es Möglichkeiten gab, woanders unterzukommen. Vielleicht war es mein Stolz. Ihm zu zeigen, dass er nicht alles mit mir machen kann. Der Versuch, Stärke zu zeigen, obwohl ich mich alles andere als stark fühlte und es mir alles andere als gut ging.

Lang habe ich mir die Schuld für das alles gegeben, und manchmal, wenn es mir sehr schlecht geht, tue ich das auch heute noch. Auch jetzt, fast 3 Jahre danach beschäftigt mich dieser Vorfall. Eine Weile habe ich ihn verdrängt, doch natürlich kommt er immer wieder durch. Belastet mich, kontrolliert mich, hat Macht über mich.

Ich schreibe dies, in der Hoffnung es hilft mir beim Verarbeiten. Nicht viele kennen diese Geschichte, vielleicht eine handvoll. In der Hoffnung, die Alpträume verschwinden irgendwann und ich kann ein Leben führen, das nicht durch Vergangenheit bestimmt und beeinflusst wird. Die schlimme Zeit hinter mir zu lassen. Stärker zu werden. Zu lernen damit zu leben, damit umzugehen, und vor allem es nicht mehr zu verstecken.

One comment

  1. Tonnerre

    Liebe Randsturz,

    Vielen Dank, dass du diese Erlebnisse mit uns geteilt hast. Ich hoffe, dass es dir so gut getan hat wie du es dir davon erhofft hast. Ich wünsche dir, dass es dir damit bald besser geht, dass es dich nicht mehr so belastet. Niemand darf so mit dir umgehen.

    Tonnerre

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